Dienstag, 4. August 2009

Ausstellung in piemontesischem Kulturzentrum

Anders Theorells Cartesische Besteck-Verfremdungen und eine Foto-Serie seiner ironischen Raucher-Utensilien sind derzeit im italienischen „Centro Culturale Borgata San Martino“ ausgestellt. Das occitanische Kulturzentrum in der ursprünglichen Bergwelt des piemontesischen Val Maira, 120 km südwestlich von Turin, ist alljährlich in den Sommermonaten ein beliebter Treffpunkt, Ausflugs- und Ferienziel für Naturfreunde, Fernwanderer und kulturelle Schatzsucher aus ganz Europa.

„Das Ineinanderwirken von Natur und Kultur hat in dem in den piemontesischem Alpen gelegenen Maira-Tal eine Kulturlandschaft geschaffen, deren Schönheit ihresgleichen sucht“, schreibt Jacob Radloff in der Zeitschrift „Politische Ökologie“. Und er rühmt in einem ausführlichen Artikel die beispielgebende Arbeit des „Centro Culturale“, die einer sterbenden Berglandschaft seit den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts neues Leben einhaucht. Tatsächlich hat diese alte occitanische Kulturlandschaft mit eigener Sprache, eigener Musik, imposanten Bergbauernhöfen mit Naturstein-Säulen und Steinplatten-Dächern, zahlreichen romanischen Dorfkirchen und Kapellen mit Fresken aus dem 12. bis 15. Jahrhundert Ungewöhnliches zu bieten, nicht nur eine wild-romantische Landschaft zwischen kantigen, sonnenbeglänzten Dreitausendern und die Nachbarschaft der berühmtesten Wein- und Ess-Gegend Italiens, der Langhe.

Doch die Industrialisierung hat seit dem Ende des 19. Jahrhunderts mit ihrer Konzentration und Zentralisierung des Kapitals in den Ballungszentren immer mehr Arbeit suchende Menschen an sich gezogen und die einst blühenden Bergtäler entvölkert. Auch das Val Maira konnte seinen Bewohnern schließlich keine landwirtschaftliche Existenzmöglichkeit mehr bieten.

Die Wende setzte hundert Jahre später ein, als Andrea und Maria Schneider sich in diese „gottverlassene Gegend“ verliebten und hier erst eine alternative Sprachschule, dann das heutige Kulturzentrum in dem verlassenen, 1400 m hoch gelegenen Bergweiler San Martino gründeten. Das entwickelte sich in den letzten 25 Jahren zu einem hoch geschätzten Ort der Vermittlung zwischen städtischer und bergbäuerlicher Kultur. Aus den verfallenen alten Bauernhäusern wurden Zug um Zug sorgfältig und sensibel restaurierte komfortable Gästezimmer und Ferienwohnungen. Ein Posto-Tappa-Gemeinschaftsschlafsaal für Fernwanderer auf den Alpen-Höhenwegen (Sentieri occitani) sowie andere Gemeinschaftsräume werden u.a. für kulturgeschichtliche Seminare, Koch- und Kräuterkurse, Musik- und Leseabende sowie Ausstellungen genutzt. Besonders das alljährliche Kulturfest zur Saison-Eröffnung im Mai erfreut sich bei den Gästen aus Nah und Fern, darunter auch bereits Nürnbergs Oberbürgermeister Uli Maly, großer Beliebtheit.

Das der Region auf den Leib geschneiderte Erfolgsrezept: Kulturelle und kulinarische Leckerbissen, Slow-Food statt Fast-Food, qualitativer statt Massentourismus bei erschwinglichen Preisen. In dieses Konzept nachhaltiger Re-Kultivierung eines alten Kulturlandes passt sich die Besteck-Ausstellung von Anders Theorell vorzüglich ein. Den Verbiegungen der großstädtischen Ess-Unkultur setzt er seine Messer-, Gabel- und Löffel-Verbiegungen und aberwitzigen Tafelsilber-Spezifizierungen als Spiegelungen der industriellen Arbeitsteilung und ihrer inhumanen Folgen entgegen. Und die Gäste freuen oder wundern sich beim allabendlichen fantasievollen Fünf-Gänge-Menue über die spaßig-hintersinnigen Lötkolben-Kapriolen des schwedischen Objektkünstlers mit Wahlheimat Franken.

Text: Manfred Schwab

Das Val Maira ist über die Autobahn von Mailand oder Genua-Savona aus in Richtung Turin zu erreichen, oder von Nizza über den Colle di Tenda und Cuneo. Über Dronero führt die Straße ins Maira-Tal. Bei Stroppo zweigt eine Bergstraße in Richtung Elva ab, die zum Kulturzentrum und Berghotel von Maria Schneider in San Martino inferiore führt. Geöffnet: 1. Mai bis Ende Oktober. (Telefon: 0171/999 186).

Sonntag, 28. Juni 2009

jetztkunst in der Zentrifuge: Lachen in der Krise

3.-12. Juli

Die Zentrifuge präsentiert vom 22. Mai bis 16. August das Künstlerportal jetztkunst. Im zweiwöchentlichen Turnus sind Arbeiten ausgewählter jetztkunst-Künstler zu sehen.
---> Download des Flyers (PDF)

Zentrifuge, Halle 14 Auf AEG, Muggenhofer Str. 135, Nürnberg

Vernissage: Freitag, 3. Juli, 19 Uhr

- Georg Baier
- Sybille Dömel
- Cornelia Effner
- Katja Fischer
- Korbinian Huber
- Meike Lohmann
- Volker Schildmann
- Alexander Schräpler
- Anders Theorell
- Tessa Wolkersdorfer

Öffnungszeiten:
Mi. Do., Fr. 16:00-20:00 Uhr
Sowie nach tel. Vereinbarung: 0911 / 1325133


Fotos von Arbeiten der teilnehmenden Künstler unter:
http://kulturhallenuernberg.ning.com/photo/albums/jetztkunst-1

Dieses Ausstellungsprojekt wird gefördert von:
- Stadt Nürnberg, Kulturreferat
- Kulturstiftung der Sparkasse Nürnberg für die Stadt Nürnberg
- Bezirk Mittelfranken
- MIB Fünfte Investitionsgesellschaft mbH / Auf AEG
- infowerk AG
- eggsandbulbs Gesellschaft für Veranstaltungstechnologien mbH
- Derag Hotel Maximilian